Das bisschen Haushalt

Ich sitze mit einer Freundin im Restaurant. Den Lärm blenden wir aus. Sie, die unfassbar intelligente Wissenschaftlerin schluckt ihre Tränen hinunter und lächelt.

Ich wiederhole meine Aussage: „Mit 30% Deiner Energie! Stell Dir das mal vor! Damit leistest Du doppelt so viel wie Deine Kollegen mit 100%.“

Sie schnieft : “ … und es reicht trotzdem nicht, dass ich gleich viel verdiene wie meine männlichen Kollegen. Oder, dass ich auch schon nur den gleichen Titel erhalte…“

Wenn meine Freundin auf der Arbeit ankommt, hat sie nicht nur schon einen Teil ihrer Energie verbraucht. Und auch während der Arbeit, braucht sie dauernd doppelte Energie um ihrer Mutterschaft und ihren Job gerecht zu werden. #doubleworkday

Aufstehen, Kinder wecken, anziehen, Frühstück, Znüni, Ersatzhose Waldtag, Einverständiserklärung Filmabend, Einkaufsliste für Partner, Geburtstagskarte Schwiegermutter, Kinder-Schwimmkurs Erinnerung Partner, Gespräch Mitarbeiterin, Emails, Zwischenbericht Doktorandin, Mittagspause gestrichen, Emails, Anruf Lehrerin, Emails, 1:1 mit Vorgesetztem, Schwimmlehrerin ruft an, fragt, warum niemand Kind abholt, Gruppenmeeting leiten, höflich bleiben, losdüsen, Kind abholen, Zvieri vorbereiten, Geschirrspüler leeren, Wäsche starten, Abendessen vorbereiten, Hausaufgaben, Kochen, „Essen schmeckt nicht“, aufräumen, Kinder ins Bett, eingeweichte, vergessene Pfannen abwaschen, Emails, tot ins Bett, … repeat.

#mentalload #emotianallabour #soeinfach

Mir ist es wichtig, meiner Freundin klar zu machen, dass sie nicht als Individuum für ihre Situation verantwortlich ist. Dass nicht SIE es ist, die etwas falsch macht, es nicht IHRE Schuld ist, dass das mit der fairen Verteilung im Haushalt nicht geklappt hat.

Mir geht es um eine STRUKTURELLE Perspektive. Zu sehen, dass sowohl sie, ihr Partner und ihre Kollegen auf der Arbeit, alle in den gleichen Strukturen aufgewachsen sind.

Und alle ähnliche Vorbilder und Prägungen haben, die auf die ein oder andere Art sagen, dass Haushalt und Kinder Frauenarbeit sind, und dass sich Frauen gleichzeitig nicht beklagen sollen, dankbar und bescheiden ihr Schicksal akzeptieren müssen.

Indem meine Freundin härter arbeitet oder sich noch besser organisiert, ändert sie im besten Fall kurzfristig etwas an ihrer Situation. Langfristig jedoch, bleibt alles beim Alten.

Was können wir dagegen tun?

Der erste Schritt ist meines Erachtens das Bewusstsein für die strukturelle Benachteiligung auf allen Seiten zu steigern.

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