Choose your battles heisst es doch, oder?“ Sarah*, die zierliche Frau Mitte 40 mit fröhlichen dunklen Locken, ist müde und frustriert.
Ich verstehe Sarah. Es ist anstrengend, mit jemandem zu diskutieren, der das Problem weder sieht, noch versteht bzw. verstehen will.
Sie soll darum nicht DISKUTieren sondern DEPONieren.
🤝 DISKUTIEREN ist ein Dialog und dazu da, sich auszutauschen. Um gegenseitig herauszufinden, warum wer wie denkt, fühlt, handelt. Es mach dann Sinn, wenn Bedürfnisse oder unerwünschte Verhaltensweisen zum ersten Mal auftreten. Nach dem Gespräch können beide mit neuem Wissen ein besseres Miteinander gestalten.
🎙️DEPONIEREN ist ein Monolog und dazu da, eine Grenze zu kommunizieren. Es macht dann Sinn, wenn trotz vorheriger Diskussionen Grenzüberschreitungen stattfinden. Es dient ausserdem als Mittel gegen das klassiche „warum hast Du nie was gesagt?“ und als Protokoll für eine eventuelle, spätere Eskalation.
Sarah hat schon diskutiert und weiss, dass er es nicht böse meint, es nicht bemerkt hat, oder denkt, dass sie übertreibt. Sarah will nicht verstehen, warum er sich schon wieder so verhalten hat. Sie will dass er damit aufhört.
🛑 Sarah muss ihre Grenze kommunizieren. Dafür reserviert sie für sich und ihren Vorgesetzten am besten einen Zeitslot von ca 15 Minuten in dem sie sich (idealerweise) live austauschen können.
Grenzen kommunizierst Du am besten in 5 einfachen Schritten:
1. Positive Grundhaltung und Rahmen setzen
2. Unerwünschtes Verhalten konkret benennen (nicht in Rechtfertigung fallen)
3. Erwünschtes Verhalten konkret benennen
4. Konsequenzen bei wiederholter Grenzüberschreitung benennen.
5. Positiv abschliessen und Fokus verschieben.
(Ist das Verhältnis bereits unterkühlt, kann Schritt 1 und 5 auch weggelassen werden.)
Das könnte dann ungefähr so aussehen:
1: Ich schätze die Zusammenarbeit mit Dir grundsätzlich sehr. Darum ist es mir wichtig, Dir zeitnah mitzuteilen, wenn etwas mal nicht passt.
2. Ich möchte wirklich nicht, dass Du mich nochmal „Schatzi“ nennst.
3. Bitte bleibe in Zukunft bei meinem Vornamen.
4. Solltest Du mich trotzdem wieder „Schatzi“ nennen, werde ich eine offizielle Beschwerde beim HR einreichen.
5. So, dann wäre das geklärt, lass uns nun dieses Projekt rocken, ich bin echt begeistert von der neuen Marketing-Idee dazu.
Sollte ihr Chef dennoch anfangen zu diskutieren, dass er es aber doch nicht böse gemeint hat, sagt Sarah freundlich aber bestimmt: „Das hast Du mir bereits mitgeteilt. Darum geht es jetzt nicht. Bitte nenn mich ab sofort einfach bei meinem Vornamen, danke.“
Überlege das nächste Mal, wenn Du Dich vor einer nervigen Diskussion fürchtest: Willst Du wirklich diskutieren, oder eher deponieren?
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*Sarah gibts. Sie heisst aber anders. Kommt aber nicht drauf an.
